Die Verwandlung

Die Verwandlung als Hörerlebnis komplett im MP3-Format  
Die Verwandlung gekürzt mit Musik


"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. .....
Und es war ihnen wie eine Bestätigung ihrer neuen Träume und guten Absichten, als am Ziele ihrer Fahrt die Tochter als erste sich erhob und ihren jungen Körper drehte." 
 

 

(Bild zur CD: Es zeigt den Käfer, wie er hilflos auf dem Rücken liegt, der Apfel steckt noch tief in seinem Fleisch)  
 

Klassifikation und Entstehung des Werkes

Parabel, entstanden 1912, Erstdruck 1915 in Leipzig

Handlung

Gregor findet sich eines Morgens als Käfer verwandelt in seinem Bett. Aus heiterem Himmel hat sich seine menschliche Gestalt in die eines Tieres verwandelt. Alle Versuche aufzustehen scheitern, da er sich nur wie ein übergroßer Käfer bewegen kann. Seine Gefühle und Äußerungen (sein Bewusstsein) ist aber noch das eines Menschen.  Gregor will aufstehen, merkt aber schnell, dass er nicht so kann wie er will, er beschwichtigt sich immer wieder selbst, dass er es schon noch schaffen werde. Die dadurch eintretende Verspätung verwundert und beunruhigt die Familie zunehmend. Plötzlich erscheint der Prokurist, als wie wenn er die Verwandlung Gregors geahnt hätte und tatelt Gregor schon jetzt wegen der absehbaren Unpünktlichkeit. Mühsam gelingt es Gregor die Türe zu öffnen, sein Anblick lässt den Prokuristen flüchten. Die Familie ist zunächst geschockt und anscheinend völlig mit der Situation überfordert. Man weiß nicht,  wie man sich nach außen verhalten soll, was man der Firma sagen soll, für die Gregor arbeitet. Gregor war der einzige Ernährer der Familie, der jetzt auszufallen droht. Dennoch findet sich die Familie mit diesem Ausnahmezustand nach und nach ab. Um den Unterhalt der Familie zu sichern, nimmt die Familie drei Zimmerherren auf
Die Teilnahme am Familienleben wird durch eine offen gelassene Tür geduldet. Die Familie beschließt, Gregors Zimmer von Möbeln zu befreien, vordergründig, um ihm das Kriechen an den Wänden zu erleichtern. Doch die Situation spitzt sich weiter zu, man ist ungeduldig. Die Familie will sich nicht mehr mit Ausnahmesituation abfinden und stellt Überlegungen an, wie sie das Tier loswerden können. Anlass für den Wandel war auch das Erscheinen Gregors bei einem Hauskonzert, was wiederum die Zimmerherren verschreckte. Diese zogen kurzerhand aus. In einem Wutanfall bombardiert der Vater Gregor mit Äpfeln. Einer der Äpfel dringt tief in sein Fleisch ein und beginnt dort langsam zu verfaulen, der Anfang vom Ende des Käfers. Gregor wagt sich aus seinem Zimmer vor ins Treppenhaus und erschreckt durch seine Gestalt die drei Untermieter  der Samsas. Die "Zimmerherren" kündigen auf der Stelle und verlassen entsetzt das Haus. Der Vater treibt Gregor in sein Zimmer, die Tür wird zugeknallt. Die Schwester, die zunächst auf Gregors Seite war, ergreift gegen Ende der Erzählung die Initiative "ihn" wegzuschaffen. Am Ende vertrocknet Gregor und wird mit dem restlichen Müll entfernt. Die Familie Samsa erlebt den Tod Gregors wie eine Befreiung.  Zur Feier ihrer neu gewonnenen Perspektive unternehmen sie einen Ausflug.


Interpretation nach Wilpert, DTV:

Interpretation nach Wilpert, DTV:

Der hilflose Zustand Gregors ist Ursache für die Loslösung aus dem Sozialmechanismus. Die Familie reagiert lieblos. Die Schwester, die sich auf die
Verwandlung einlässt fordert als Erste seine  Beseitigung. Der Apfel steht als  Symbol für die Daseinsschuld. Der Vater profiliert sich an der Gegnerschaft gegen  Gregor. Die
Musik weist Gregor den Weg zur ersehnten unbekannten Nahrung.

Interpretation nach Kindler:

Unwillig möchte Gregor seine neue Gestalt als Einbildung abtun. Gregor protestiert gegen seine Tätigkeit als Reisender und der Protest drückt sich in seiner Verwandlung zum Käfer aus. Das revoltierende Unterbewusste hat sich so äußere Gestalt geschaffen. Seine Käfergestalt bringt seine geknechtete Existenz zum Ausdruck. Die Familie hat Gregor unterdrückt, indem sie ihn sklavisch für sich arbeiten ließ. Die Familie flieht angesichts der Käfergestalt vor ihm und offenbart damit ihr wahres Gesicht. Das Apfelbombardement des Vaters offenbart die Identität seiner Person mit der des Prokuristen, in dessen Schuld  er offensichtlich noch steht. Die Schwester tritt in Konkurrenz zur Mutter, ähnlich wie der Sohn in Konkurrenz zum Vater tritt. Den Käfer kann man aber nicht  ohne weiteres loswerden. Der
Käfer wird zum Stachel, zur Wahrheit im Fleisch der Familie, die man verdrängen will. Das Violinenspiel der Schwester spielt ihm eine Erlösung vor, derer er  nicht teilhaftig werden darf. Die Revolte bleibt erfolglos, an den Machtverhältnissen ändert sich nichts.
Eine Quelle der Insektenmetapher ist die Beschreibung der Bettwanze aus Brehms Tierleben.