Ein Hungerkünstler
Ein Hungerkünstler
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Inhalt:
Ein Hungerkünstler gewinnt mit einem Impressario das Interesse einer sensationslüsternen
Masse. Beide reisen durch Europa, der Hungerkünster zeigt sich hungernd in einem
Käfig. Aus unerfindlichen Gründen nimmt das Interesse am Hungerkünstler ab. Der
Hungerkünstler wendet sich vom Imressario ab und geht mit einem Zirkus auf Wanderschaft.
Er gerät aber immer mehr in Vergessenheit. Unbeachtet stirbt er letztlich.
Interpretation:
Dem Hungerkünstler kam es gar nicht darauf an, die Massen durch seine bemitleidenswerte
Gestalt anzulocken, er wollte immer nur sich selbst übertreffen und seinen Rekord
von vierzig Tagen Hungern überbieten. Für derartige Rekordversuche fehlte allen,
sogar ihm selbst das Verständnis und das Interesse, was sich darin ausdrückt, dass
er selbst die Tafel, die die Anzahl der Hungertage angezeigt hatte, zum Schluss
auch nicht mehr fortschreibt. Schon der unbestimmte Artikel in der Überschrift
"ein" Hungerkünstler drückt aus, dass es sich hier um eine sinnlose, von niemandem
beachtete, auf Nazismus bedachte Aktion handelt.
Auf einer abstrakteren Ebene gesehen, kann darüber spekuliert werden, ob Kafka mit
dieser Erzählung die Beziehung zwischen Individum und Gesellschaft charakterisieren
will. Die Gesellschaft als Strom von Neugierigen, die an sich bewundernswerte Leistungen
gar nicht interessiert, auf der anderen Seite das übersteigerte Ego, das in Selbstüberschätzung
und überzogener Selbstbeschränkung so in sich Gefangen ist, dass es jede Einschätzung
zu seiner eigenen Beschränktheit verliert, auch gar keine Zeit mehr hat, die Nicht-Wertschätzung
der Anderen wahrzunehmen und damit zwangsweise so überzieht, die Dosis der Selbstgewalt
so überhöht, dass am Ende nicht mehr übrig bleibt, als ein Haufen Knochen in einem
Käfig.