Der Flaschensammler Herbert
Ein Penner zieht durch die Fußgängerzone von München auf der Suche nach Flaschen.
Auszug aus der Erzählung: Er zieht los, der Flaschensammler Herbert, durch die Fußgängerzone von München. Er durchwühlt
die Eimer, auf der Suche nach Flaschen, die er bei der nächsten Sammelstelle wieder
abgibt und dafür einen Gutschein am Automaten ausgedruckt bekommt, den er gegen
Geld einlösen kann. Seine Hände hat er mit Plastik-Strohhalmen umknotet, an jedem
Finger etwa drei vier Stück, das gibt einen guten Kamm, damit durchfährt er beständig
seinen Bart. Seine Hand wühlt, bist zur Schulter taucht sein Arm ein in die Edelstahlbehälter,
er hat ein gutes Gespür für die vielen Dinge, die er da ertastet, trotz der Plastikstrohhalme.
Die umstehenden Fahrgäste wenden sich meistens ab, sehen in ihre Zeitungen oder
auf die Anzeige der Züge. Die Weihnachtszeit ist eine gute Zeit für Flaschen. Jetzt
ist mehr los in der Stadt, Einkaufswütige legen los, suchen Geschenke und haben
Durst, Herbert freut das, denn Einkaufswütige haben Durst, was bedeutet, dass sie
die kleinen Plastikflaschen einfach achtlos wegwerfen, wertvolle Ware für Herbert.
Das Vorspiel
Eine Klavierlehrerin bemerkt einen schrecklichen back out, den sie aber doch noch überwindet.
Im April beginnt das konzertante Schüler-Vorspiel. Lena Hübner, betritt den Konzertsaal pünktlich. Schüler spielen sich ein. Jeder will sein Bestes geben, schon beim Vorvorspiel. Aufgeregtheit bei Eltern und Schülern. Hell-Holz vollvertäfelter Raum, man hatte offenbar versucht, das verstaubte 70er Jahre Ambiente mit viel Holz zu überspielen, die Galerie, kaum besetzt. Der große Flügel, glänzend schwarz poliert, in der Mitte, angestrahlt, sonst gedämpftes Licht, Eltern warten in der Cafeteria auf den Beginn der Veranstaltung.
Lena Hübner liebt ihren Beruf. Sie liebt den Klang der Instrumente, besonders Klavier und Kontrabass liegen ihr am Herzen, das waren ihre Instrumente am Konservatorium. Heute spielt sie Leuchtturm im Schülermeer. Gräben, Brücken und fallweise Schnellstraßen zwischen Ansprüchen und individuellen Wirklichkeiten tun sich auf. Wo ist das Meer der Schüler? Eine Welle schleicht sich an, bäumt sich mächtig auf, bricht, Gischt und kleine Rinnsale schneiden kleine Flussbette in weichen Sand auf dem Weg zurück ins Meer. Schöner Sand, Aufgeregtheit bei jedem Sandkorn, Trockenheit, matter werdender Glanz. Schüler gehen von der Bühne auf ihre Plätze im Publikum, das Vorspiel eifrig und aufgeregt erwartend.
Die Tür zum Konzertsaal wird von einem Mitarbeiter der Musikschule geöffnet, Eltern strömen hinein. Geschwister begleiten Eltern. Erwartungsvolle stolze gleichgültige Züge bei Vätern, bewaffnet mit technischem Gerät, lächelnde Mütter, die Jacken unter Arme geklemmt, platzsuchende Augen. Töne aus den Instrumenten, kichernde Mädchen, teilweise tobende Jungs. Die Bravgemeinschaft hat sich versammelt, den Stücken der jungen Musikgemeinde zu lauschen.
Der Keller
Ein Mann ertrinkt im eigenen Keller, weil er eine Tür versehentlich ins Schoss fallen ließ.
Der Renter Hermann H kommt nach Hause und bemerkt, wie sein Keller sich immer weiter
mit Wasser füllt. Verwirrt versucht Steuer-Unterlagen und sein Haus zu retten. Darüber
vergisst er sich selbst zu retten. Als plötzlich die Tür hinter ihm ins Schloss fällt
ist es zu spät, er kann sich aus der Schleuse im eigenen Haus nicht mehr retten
und ertrinkt.
Auszug aus der Erzählung: Der Rentner Hermann H. kam nach Hause und weil er ein Geräusch vernahm, das sich wie Plätschern anhörte, wurde er stutzig. Er ging in den Keller seines Einfamilienhauses, das am Rand einer Siedlung, irgendwo mitten in Deutschland lag. Rasch ging er die Treppe zum Keller hinunter und sah, dass der Kellerboden schon handbreit mit Wasser bedeckt war.
Er fasste sich an den Kopf und taumelte, sich am Geländer abstützend, Stufe für Stufe, auf die vor ihm liegende Wasserlache zu. Das Geländer, das er selbst vor Jahren gestrichen hatte, daran klammerte er sich jetzt fest, halb vor Fassungslosigkeit, halb vor Schreck. Er sah sich um und dann sah er, wie das Wasser offenbar in Bewegung war. Es strömte aus der Kellertür und breitete sich in aller Ruhe im Vorratskeller und in der links liegenden Werkstatt nebst Waschkeller aus. Rechts lag der große Hobby-Keller, der als Abstellkammer diente. Dort waren einige Schränke, Erbstücke. Hermann H wendete sich kurz entschlossen vom Geschehen ab, lief hastig die Treppe rauf ins Erdgeschoß. Er verstand seine Hast selbst nicht, denn nun blieb er erst wie angewurzelt stehen und blickte halb zu Boden, halb das Treppenhaus zum Keller hinunter. Draußen war alles friedlich, kein Nachbar schien von der Katastrophe etwas mitbekommen zu haben, was darauf hindeutete, dass das Wasser im Keller nur bei ihm ein Problem war. Ihn beunruhigte das rasche, ungehemmte Vordringen des Wassers. Und Trotzdem: die Nachbarn, die Leute vom Ort, jemand musste doch mitbekommen haben, dass irgendwoher zu viel Wasser kam, dass irgendwas nicht mehr in Ordnung war.
Immensee 2009
Reinhard und Elisabeth können sich nicht finden, weder bei Storm damals noch in einer zeitlosen Weilt.
MP3-Hörbuch-Version für die Originalfassung
MP3-Hörbuch in der Fassung von 2009
Das Paar Reinhard und Elisabeth kennen sich seit der Kindheit. Studienbedingtrennt. Trotz der größeren inneren Nähe zu Reinhard entscheidet sich
Elisabeth für Erich. Die Mutter von Elisabeth vermittelt ungünstig für Reinhard.
Unvermittelt treffen Elisabeth und Reinhard auf Gut Immensee wieder zusammen. Reinhard
bleibt am Ende die Erinnerung.
In der neuen Fassung von Immensee werden einige Andeutungen schärfer herausgearbeitet.
Einige anachronistische Vorstellungen und Formulierungen aus der Biedermeier-Zeit
wurden weggelassen. Insgesamt wurde die Erzählung
aussageschärfer, deutlicher und mehr auf den Beziehungsaspekt hin formuliert.
Das kalte Herz
Warum ist der Kohlen Peter Munk so graußam?
Das Märchen von Wilhelm Hauff entführt uns an der Seite von
Peter Munk in den tiefen Schwarzwald, vorbei an dunklen Tannen und rauchenden
Köhlern. Peter Munk ist unzufrieden. Um Reichtum und Ansehen zu erlangen,
verkauft er sein Herz an den bösen Holländermichel.Das kalte Herz, das er im
Tausch gegen sein menschliches Herz bekommt, macht ihn unempfindlich gegen
Schmerz, er wird aber auch gegen seine Mitmenschen gefühlskalt und hart. Mit
Hilfe des Glasmännchens gelingt es ihm, den Holländermichel zu überlisten.
Wilhelm Hauff hebt sich mit seinem Stil von den Märchen von Grimm und Andersen
deutlich ab. Seine romantischen mittelalterlichen Phantasiegeschichten mit
gutem Ausgang reißen uns mit, das kalte Herz entführt uns in den tiefen dunklen
Tannenwald des Schwarzwaldes. Peter Munk ist unzufrieden mit seiner Situation,
er verkauft sein Herz an den Holländer-Michel, der ihm dafür ein kaltes Herz
einsetzt. Wird er sein menschlich fühlendes Herz mit Hilfe des Glasmännchens
zurück bekommen ? Hören Sie selbst in dieser Produktion des gemeinnützigen
Vereines www.theateraufcd.de e.V. aus dem Jahr 2004. Diese CD darf zu nicht
kommerziellen Zwecken kopiert und verbreitet werden. Selbstverständlich können
Sie unsere Arbeit auch weiter unterstützen. Weitere Informationen dazu im
Internet unter www.theateraufcd.de. Hier finden Sie auch alle anderen Hörspiele
wie Lenz, Faust, Tasso oder die Verwandlung als frei downloadbare MP3-Dateien.
Viel Spaß bei den Hörerlebnissen von www.theateraufcd.de
Wilhelm
Hauff * am 29.11.1802 in Stuttgart geboren * am 18.11.1827 in Stuttgart an
Nervenfieber gestorben * Klosterschule, Tübinger Stift, Dr. phil * Begründer
des hist. Romans nach dem Vorbild von W.Scott Werk (nach Kindler) * erschienen
1825-1828 in drei Mährchen-Almanachen * zunächst wandte sich Hauff
orientalischen Stoffen (z.B. Kalif Storch, ...) * Durch den Einfluss der
Märchen der Gebrüder Grimm wandte er sich der heimischen Welt zu Inhalt und
Stilmittel Spätromantik, Frührealismus
Nach Wilpert: Märchen greifen romantische Phantastik des durch verstandesmäßige
Tradition geprägten 18. Jahrhunderts auf Nach Kindler: * leichtfüßig *
volkstümlich * symphatische Unbekümmertheit * Einordnung in bestimmte
literarische Gattung ist sehr schwierig * Rahmengeschichte: Wirtshaus im
Spessart: Eine Gruppe von Reisenden verbringt die Nacht im Wirtshaus im
Spessart, der von Räubern durchsetzt ist. Um die Angst vor den Räubern zu
bannen, erzählt man sich Geschichten. (Die Sage vom Hirschgulden, Das kalte
Herz, Saids Schicksal, Die Höhle von Steenfoll) * Der arme Kohlen-Peter sehnt
sich nach Reichtum. Das Glasmännchen gewährt ihm drei Wünsche. Statt Verstand
und Klugheit wünscht er sich immer so viel Geld in der Tasche zu haben wie der
dicke Ezechiel und eine Glashütte. Peter wird bettelarm und begibt sich in die
Hände des Holländer Michel. Dieser schlägt ihm vor, sein menschliches Herz
durch ein Herz aus Stein einzutauschen, Peter geht auf den Handel ein. Nach
Jahren des Reisens merkt Peter, dass er nichts mehr empfindet und bittet den
Holländer-Michel ihm wieder sein menschliches Herz zurückzugeben, was dieser
ablehnt. Peter heiratet, lebt in Saus und Braus, verstößt seine alte Mutter,
tötet seine junge Frau, weil sie einem alten Mann Wasser gibt. Der alte Mann
ist das Glasmännchen. Sein letzter Wunsch, sein menschliches Herz wieder zu
bekommen, erfüllt das Glasmännchen zum Teil. Der anderen Teil muss Peter selbst
leisten: Er muss zum Holländer-Michel gehen und ihn dergestalt überlisten, dass
er ihm vormacht er habe gar kein Herz aus Stein. Dieser setzt ihm zur Probe
wieder das menschliche Herz ein, worauf Peter ein Glaskreuz hervorholt und
dadurch fliehen kann. Überwältigt vom Gefühl der eigenen Schuld, will Peter
sich selbst umbringen, lässt jedoch davon ab, das Glasmännchen führt ihm wieder
seine Liesbeth und seine Mutter zu. Interpretationen und offene Fragen
Nach Kindler: Ausbreitung der Geldwirtschaft konnte mit feudalen
Verhaltensweisen nicht mehr begegnet werden. Es drückt sich eine Angst vor der
Versuchung des Geldes und vor der Versuchung des allzu schnellen Reichtums
(F.Martini) aus. Die Massenprodukte der englischen Industrie lösen zusätzlich
1825 eine Krise in Deutschland aus. Psychologisierung der Akteure, damit Brücke
zum modernen Roman.