Der Heizer

 

 

Inhalt:

Karl Roßmann wird nach Amerika geschickt, weil er angeblich ein Dienstmädchen verführt haben soll. Während er auf dem Schiff herumirrt, weil er seinen Regenschirm sucht und seinen Koffer hat stehen lassen, trifft er den Heizer, der ihm von seinem Schicksaal erzählt. Er leide unter einem Vorgesetzten mit Namen Schubal. Karl setzt sich beim Kapitän für den Heizer ein. Dort trifft er unvermutet auf seinen Onkel, den Senator mit einflussreichen Verbindungen zum Kapitän des Schiffes. Der Onkel nimmt ihn mit nach Amerika. Im weiteren Verlauf des Romans Amerika, der die Erzählung beinhaltet, wohnt er zunächst beim Onkel, der ihn dann aber fallen lässt. Er arbeitet als Liftboy und im Welttheater von Oklahoma.

Interpretation:

Der Heizer steht bei Kafka für die Verlorenheit des modernen Menschen. In nahezu allen seinen Romanen und Erzählungen variiert er dieses Motiv. Stellvertretend für die Grundlage seiner Existenz stehen hier Koffer und Regenschirm, die Karl zunächst nur im begrenzten Raum des Schiffsbauchs, das Deck eingeschlossen, verliert. Hilfesuchend wendet er sich an einen Verlierer, an einen, den die sozialen Zentrifugalkräfte der Schiffsbesatzung aus dem Karussell der Mannschaft hinausbefördert haben. Ein Hilfesuchender trifft einen Hilfesuchenden, und was finden sie: Nichts als höfliches Unverständnis. Außer bei Karl. Bei ihm wandelt sich die Situation zunehmend dadurch, dass sich der Senator als sein Onkel zu erkennen gibt. Damit eröffnen sich für ihn ganz neue Chancen in Amerika. Weder Leistung noch Geld spielen in diesem Augenblick eine Rolle sondern nur die gute Verbindung zu einem einflussreichen Vermittler. Karls Koffer spielt vor dem Hintergrund der Versorgung durch den Onkel (=Senator) eigentlich gar keine Rolle mehr, der Senator erkundigt sich auch gar nicht mehr nach dem Koffer. Karl gerät durch diese Situation in ein Dilemma. Eigentlich wollte er dem Heizer helfen, kann aber nicht. Er, der voll von jugendlichen Idealen und Prinzipien durchdrungen ist, spürt eigentlich "Verrat". Letztlich entscheidet er sich gegen den Heizer und für den Onkel. Auf der anderen Seite lässt Kafka auch offen, ob der Heizer mehr als eine Wiedergutmachung mit Schubal gefordert hätte und ob der Heizer nicht bei der nächst besten Gelegenheit wieder mit Schubal ein Problem bekommen hätte. Wer den weiteren Verlauf von Kafka's "Amerka"-Roman kennt, weis, dass es Karl letztlich in Amerika nicht anders ergeht, als hätte er den Onkel nicht getroffen: wie auch in allen anderen Kafka-Erzählungen und Romanen bleibt der Held in einer tragischen Ungewissheit.